Tag 23 – Versteigerung der Autos

In den letzten Tagen haben wir so viele Angebote für Hummel erhalten, dass uns heute echt nicht unwohl bei der Versteigerung ist. Selbst auf der Straße wurde uns „Nice car!“ zugerufen. Im Independence Stadium angekommen rückten alle Teams ihre Autos ins rechte Licht. Wir hätten die Motorhaube mal lieber zu lassen sollen, weil ein Interessent kurz mal die Motorhaube verbog, weil er den Offenhalter übersah und zu viel Druck anwendete. Kaschieren ist angesagt. Nachdem die ersten Autos mit niedrig versteigert wurden kam Org Holger zu uns: „Jetzt müssen wir mal etwas anheizen, ihr seid die Nächsten.“ Stefan hat Hummel dynamisch auf den Versteigerungsplatz gefahren, jetzt gilt es nur noch abwarten. Bei 60.000 Dalasi stagnierten die Gebote und uns überkam ein komisches Gefühl. Aber nein, es ging weiter. Die Gebote überhäuften sich. 123.000 Dalasi (3.350 €) zum Zweiten … SOLD for 123.000 Dalasi. Das ist der höchste Betrag, der für ein Auto der aktuellen Staffel gezahlt wurde. Natürlich abgesehen vom Touarist, der für uns außerhalb der Wertung ist, da es sich um einen LKW handelt. Wir sind stolz wie Bolle. Der neue Besitzer (Mann in weiss) von Hummel ist Senior Police Officer und freute sich zusammen mit seinen Mitarbeitern über das tolle Auto. Das können wir ihm nur bestätigen! Hummel wird zukünftig als Familienauto durch Gambia fahren, und das freut uns um so mehr. Wir hoffen, dass der Verkaufserlös und unsere Spenden von der DBO gut eingesetzt werden.

Nach der Versteigerung geht es schnell ins Hotel um uns frisch zu machen. Aber was ist das? Hummel macht Zicken, die Check Engine Anzeige leuchtet und im Stand läuft der Motor unrund. Steffi und Stefan haben aber keine Zeit, denn sie müssen zum Flughafen. In der Hoffnung das der Hyundai durchhält geht es zum Campingplatz, wo alle Fahrzeuge bis zur Übergabe abgestellt werden. Eins steht fest, Autos haben eine Seele. Hummelchen hielt durch machte ihren Unmut durch den Drehzahlabfall kund. Aber es nützt nichts, Abschied ist angesagt. Der uns wirklich schwer fällt, da wir so viel Liebe, Herzblut und Vertrauen in das Auto gesteckt haben. LEB WOHL HUMMEL! Steffi und Stefan müssen im Sammeltaxi zum Flughafen und Rainer genießt noch einige Tage die Gastfreundschaft in Gambia.

Tag 22 – Besuch weiterer Hilfsprojekte

Die Party war für unsere Truppe gegen 24 Uhr vorbei und wir fuhren ins Hotel zurück, da wir wussten, dass der nächste Tag auch anstrengend wird. Rainer und Jörg blieben länger im Blue Kitchen und fuhren zusammen mit den Inschallah Jungs im Taxi zurück.

Erste Station war die Ceesay Nursary School. Bereits auf den letzten Metern zur Schule wurde wir von den Müttern der Kindern euphorisch begrüßt. Die kleinen Steppkes sind extra für uns am Samstag in die Schule kommen (die Armen) und sangen uns zur Begrüßung ein Ständchen. In der gut ausgerüsteten Schule mit 100 Schülern übergaben wir das alte ausgemusterte Notebook von Stefan, welches uns die IT-Abteilung von FrieslandCampina vermacht hat. Der Schulleiter war völlig irritiert von so einem wertvollem Geschenk, freute sich aber über die neuen Möglichkeiten, die er damit hat. Schnell wurden noch eMail-Adressen ausgetauscht, um den Support für das neue Gerät zu sichern. Rastlos wie bereits in den letzten Tagen, ging es weiter zum Manduar Healthcenter, was unter Führung der Afrikahilfe e.V. steht und von der DBO unterstützt wird. Das Healthcenter, das die gesamte Region versorgt, wird gerade erweitert, um die jährlich 10.000 Patienten aufnehmen zu können. Hier haben wir auch das gesponsorte Mikroskop übergeben, dass gute Dienste leisten wird.

Wieder zurück in Serekunda ging es an den Kreisverkehr. Am Vortag haben unsere Freunde aus Uelzen und Alex ihren gesamten Inhalt ihrer Autos losgeschlagen. Das wollten wir auch.  Die Resonanz war aber sehr verhalten. Neben einer Decke, 2 Flaschen Öl und den Daktec Sandboards sind wir nichts los geworden. Doch das Snowboard von Steffi haben wir noch verschenkt. Der Junge wußte zwar nicht was er damit soll, freute sich aber trotzdem ein Loch in den Bauch.

Das Auto war leer. Die Ersatzteile sind wir zwar nicht losgeworden, aber der Käufer wird sich freuen. Dreckig war Hummel aber immer noch. Direkt neben der Zufahrt unseres Hotels gab es eine Tankstelle mit Waschcenter. Eigentlich war der Plan, dass wir Hummel selbst zu waschen. Aber kaum mit den Vorderreifen die Auffahrt berührt, winkte uns ein freudlicher Putzteufel und wollte uns bei der Reinigung behilflich sein. Letztendlich haben wir unser tapferes Rallyecar doch nicht selbst gewaschen. In knapp einer Stunde stand ein Neuwagen vor uns und wir waren froh auch diesen Punkt auf unserer Agenda streichen zu können. Die Versteigerung kann kommen.

Tag 21 – Besuch der ersten Hilfsprojekte

Wieder auskuriert ging es zur Besichtigung der ersten Hilfsprojekte. Treffpunkt für alle Interessierten war der Campingplatz von Heinz und Marion. Heinz leitet die DBO (Dresden Banjul Organisation), die für die Vergabe der Geld- und Sachspenden an die einzelnen Hilfsprojekte verantwortlich ist. Wieder mal im Konvoi ging es durch das Gequirle in den engen Gassen von Serekunda. Ohne Begleitung wären wir völlig aufgeschmissen gewesen, denn bereits nach der dritten Abzweigung hatten wir die Orientierung komplett verloren. Erster Stopp war die Lambai Nursery School. Das unscheinbare Gebäude wär ohne die liebevolle Bemalung nicht als Schule zu erkennen gewesen. Kaum geparkt waren wir umringt von vielen Kindern und Jugendlichen, die das Spektakel an der Schule freudig beobachteten. Heinz erklärte, dass Vorschulen in Gambia essentiell für eine gute Schulbildung sind. Amts- und Schulsprache ist Englisch. Leider wird in vielen Familien mit den Kindern bis zum regulären Schulalter Mandinka oder eine der weiteren 19 Sprachen gesprochen. In den Vorschulen wird den Kindern erstmals Englisch vermittelt, um ihnen den Einstieg in das Schulleben zu erleichtern. An den Schulleiter, einen bescheidenen Mann, übergaben wir unsere mitgebrachten Spenden. Über die Tafelkreide und den Schultafellack freute er sich am meisten, da bereits seit einigen Wochen die Kreide ausgegangen ist. Aber auch die Landliebe-Kugelschreiber, Springseile und Kleinigkeiten von der St. Laurentiusapotheke zeichneten ein Lächeln auf sein Gesicht. Weiter ging es zum Neubau der Schule. Da die Schule am aktuellen Standort keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr besitz, wird eine weitere Schuleinheit einige Kilometer entfernt gebaut. Das Schulgebaude ist bereits in einem begrünten Hinterhof errichtet und wird teilweise zum Unterricht genutzt. Die Nebengebäude sollen in den nächsten zwei Monaten fertiggestellt sein.

Weiter ging es zu Sukuta Health Center. Es handelt sich um kein Krankenhaus im europäischen Sinn, sondern hier werden die Patienten von Krankenschwestern und Pflegern versorgt. Geburtshilfe, Malariaerkennung, Wundversorgung und Behandlung von leichte Erkrankungen gehört zu den Leistungen des Centers. Seit der letzten Rallye Staffel hat das Healthcenter sogar einen eigenen Krankenwagen um Patienten ins Krankenhaus zu fahren, wenn die Schwestern und Pfleger nicht mehr weiter wissen. Hier sind die gespendeten Verbandsmaterialien und die T-Shirts goldrichtig aufgehoben. Zusammen mit den Spenden der anderen Rallyeteilnehmer ergibt das einen ganz schönen „Haufen“ über den sich die Centercrew sichtlich freut. Schnell noch ein paar Kuscheltiere an die Kinder verteilt und unsere Projektbesichtigung ist für heute beendet.

Hummel war immer noch mit unseren Ausrüstungsgegenständen gefüllt. Alles musste bis zur Versteigerung raus. Was machen? Tauschen, gegen Souvinirs auf dem Serekunda Craft Market. Also sind wir direkt nach den Besichtungen auf den Markt gefahren. Kaum hatten wir das Auto abgestellt waren wir schon umringt von Händlern. Alle wollten aber nichts verkaufen, sondern hatten großes Interesse an dem Kofferrauminhalt. Nach und nach wechselten Schlafsäcke, Kocher, Geschirr und fast alle anderen Teile ihren Besitzer. Nach 2 Stunden zähen Verhandlungen hatten wir genug und brachen ab, denn die Händler kannten kein Halten mehr. Jörg lief mittlerweile schon barfuss über den Markt, da er seine Schuhe getauscht hatte. Zurück zum Hotel und frisch machen für die Welcome-Party im Blue Kitchen. Fertig für die Party trafen wir uns auf dem Parkplatz, denn wir wollten noch den Innenausbau ausbauen, damit wir alle zusammen in Hummel zur Party fahren konnten. Die Angestellten vom Hotel waren aber schneller und umlagerten den Hyundai. Stefan nutzte die Chance und stellte den verbleibenden Ausrüstungsgegenständen ihre neue Besitzer vor. Ingo riss noch schnell den Innenausbau heraus, der bereits bei unserem Flug in der Wüste gelitten hatte, und es ging in schneller Fahrt mit 8 Personen zur Party.

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